Grundlagenforschung oder Anwendungsforschung?
Vor 15 Jahren konnte man für einen PC kaum eine Festplatte kaufen, die mehr als 2 Gigabyte Speicherkapazität hatte – heute erhält man leicht die tausendfache Kapazität - für einen Bruchteil des Preises. Vor 20 Jahren waren Leuchtdioden schwache, üblicherweise rot leuchtende, Bauelemente, die im wesentlichen für Anzeigeelemente benutzt wurden, heute sind sie gleißend hell und beginnen, die Glühbirne zu ersetzen.
Die Revolution beim Speicherplatz und das Ersetzen der Beleuchtungstechnik sind nicht das Ergebnis schlichter Optimierung einer bestehenden Technik – Leuchtdioden wurden nicht entwickelt, weil man Glühbirnen optimierte – sie sind Folgen grundlegender physikalischer Entdeckungen und darauf aufbauender technologischer Entwicklungen.
Device Inspiring Research
Insofern wird man mit einer strikten Trennung zwischen Anwendungsforschung, die zuweilen als Optimierung vorhandener Technologien missverstanden wird und Grundlagenforschung, der etwas Akademisches anhaftet, der Realität technologischer Neuerung nicht gerecht. Es ist die Kombination aus grundlegender Erweiterung des Naturverständnisses und der Suche nach Anwendungspotential, die zu wahren Innovationen führt.
Diese Sicht motiviert auch die Forscher am Paul-Drude-Institut. Das Institut sieht seine Aufgabe zwar in der materialwissenschaftlichen Grundlagenforschung, die aber dadurch motiviert wird, dass sie eben auch Anwendungen für die Informations- und Kommunikationstechnologie inspirieren kann und soll. Die Arbeiten zielen einerseits auf ein grundlegendes Verständnis der Festkörperphysik in nanostrukturierten Materialkombinationen. Andererseits werden aber aus diesem Verständnis Konzepte für neue Anwendungen entwickelt und getestet. Wir nennen dies device inspiring research.
Im Idealfall ergibt sich aus den fundamentalen Erkenntnissen über die elektronischen, optischen und strukturellen Eigenschaften von ungewöhnlichen Materialkombinationen eine Idee für eine neue Anwendung, oder eine neue Lösung für ein altes Problem. Das Institut sieht sich damit zwischen den klassischen Polen Anwendungsforschung und Grundlagenforschung ideal positioniert.

